Rezension

SCREAM!NG MATTER

Silke Haueiß über die Premiere am 31.1.2020

Wann genau ist der Moment, wenn wir nicht mehr länger warten können, sondern losgehen müssen, weil das Warten nicht mehr auszuhalten ist?

El Cuco präsentiert in einer verdichteten Atmosphäre einer Wartezimmersituation, in der sich die Zuschauenden und die vier Spieler*innen gemeinsam befinden, verschiedene Szenen des Abwartens und Losgehens.

Mit attraktiven, realistisch anmutenden Echsenköpfen ausgestattet agieren ausdrucksstark die vier Performer*innen – mal alleine, mal in Gruppe tanzend Menschengleich oder Echsenhaft kriechend, meist wortlos. Wie Urtiere, die vor uns Menschen auf der Erde waren und vermutlich uns Menschen überleben werden, wenn wir so weiter wirtschaften wie bisher. Hinweise dazu kommen von einer Wartezimmertafel, die neben der aufblinkenden Warte-Nummer auch „Breaking News“ verkünden–Videos mit Echse-Memen zu Themen wie: Klimakatastrophe und Krieg. Starken Eindruck hinterlässt zum Beispiel das Video, in dem Menschen ihre Stimme erheben, nicht mehr abwarten wollen, sondern bewaffnet mit Schlagstöcken synchron an eine Mauer schlagen, um ihre Rechte einzufordern (Hintergrund: um den chilenischen Präsidenten zu stürzen). Aber auch Bollywood- Karaoke zum Zeitvertreib bahnt sich den Weg in den Warteraum und animiert zu berührenden, von der Sehnsucht angetriebenen Szenen der Reptilien auf der Suche nach Zweisamkeit. Zum Schluss formieren sich die Wesen, üben den gemeinsamen Ausbruch, die leise Revolte, um zu Überleben.